Windows Home Server (Teil 1)

EINLEITUNG
Vor 8 Jahren hat Acer den H340 Windows Home Server (Acer Aspire EasyStore H340) auf den Markt gebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir in unserem Heimnetzwerk eine Synology DiskStation mit zwei – für heutige Verhältnisse winzigen – 500 GB Festplatten am Laufen. Der H340 klang dagegen wie eine Offenbarung. Auf Basis eines Atom-Prozessors mit 2 GB RAM gab es ganze vier HotSwap-Laufwerkseinschübe für 3,5″ SATAII-Festplatten. Der kleine Wunderwürfel war äußerst kompakt und verbrauchte wenig Energie. Aber das beste war, als Betriebssystem kam das auf dem Windows Server 2003 basierende Windows Home Server zum Einsatz. Mit Windows als Basis boten sich natürlich ganz andere Möglichkeiten, als mit der DiskStation.


Acer Aspire EasyStore H340

Folgende Aufgaben hatte der HomeServer bei uns zu erfüllen:

  • FileServer (Speicher für aller möglichen Dateien, z.Bsp. Fotos)
  • MailServer (IMAP/POP3/SMTP-Server)
  • WebServer (u.a. mit RoundCube Webmailer für den MailServer)
  • MediaServer (um Videos über DLNA im Heimnetz zur Verfügung zu stellen)
  • FTP-Server (um auch von Außen Zugriff auf bestimmte Dateien zu haben)
  • TeamSpeak-Server

Auch wenn der H340 relativ unkompliziert war, gab es doch einige Probleme, die uns letztlich zu einem Umstieg bewogen haben. So brachten einige Aufgaben den kleinen Atom-Prozessor sehr schnell an seine Grenzen. Der Mail-Server wurde mit der Zeit immer träger (500.000+ Mails). RoundCube hängte sich immer wieder auf. Der MediaServer lieferte keine Daten mehr (und aktuelle Versionen ließen sich gleich garnicht mehr installieren). Aber noch problematischer war, dass die Festplatten regelmäßig bei rund 50°C vor sich hin bruzelten.
Auch der Einsatz von zwei H340 und eine Aufteilung der Aufgaben brachte nur bedingt Abhilfe. Vor einigen Tagen meldete dann auch noch die erste Festplatte einen S.M.A.R.T-Fehler. Tatsächlich ergab eine genauere Prüfung, dass alle verbauten Festplatten bereits Warnungen ausgaben, die von einem baldigen Ende kündeten.

Nun stellte sich also die Frage, wie man mit dieser Situation umgehen sollte. Eine einfache Lösung wäre es natürlich gewesen, die vorhandenen Festplatten durch neue zu ersetzen. Aber der H340 kann nur mit Festplatten bis maximal 2TB umgehen. Und das Problem mit der Rechenleistung und der Temperatur lässt sich auch nicht durch einen Festplattentausch lösen.

Die logische Konsequenz war also die Anschaffung eines neuen NAS (Network Attached Storage) Servers. Aus nahe liegenden Gründen sollte der neue Server ebenfalls wieder mit Windows laufen. Nun findet man inzwischen zwar eine ganze Reihe NAS-Server für den Heimgebrauch, doch in der Regel verwenden diese ein eigenes Betriebssystem oder eine Linux-Variante – und dort laufen unsere Programme nicht. Außerdem sind inzwischen unsere anderen Computer im Haushalt – insgesamt immerhin 6 PCs und Notebooks – alle auf Windows 10 umgestellt. Fertige NAS mit Windows sind jedoch kaum noch im Angebot.
Tatsächlich ließ sich nur ein einziger Server finden, der zumindest ungefähr in die richtige Richtung ging – der HP ProLiant MicroServer Gen8 G1610T, den es in der Konfiguration mit intel Celeron G1610T und 4 GB RAM aktuell für um die 210€ gibt. Der HP ProLiant ist in niedlicher Würfel mit Platz für 4 Festplatten und ein optisches 5,25″ Slim-Laufwerk. Der ECC RAM wäre leicht von 4 auf 8 GB aufzurüsten gewesen und auch sonst hat der kleine Server einige nette Erweiterungsmöglichkeiten zu bieten. Leider ist das System als solches schon veraltet. Und der neue WHS soll schließlich wieder ein paar Jahre seinen Dienst verrichten. Also blieb uns nichts weiter übrig, als die benötigten Teile selbst zusammen zu suchen.


HP ProLiant MicroServer Gen8

Hinweis: Ich verwende hier gerne die Bezeichnungen NAS und WHS (Windows Home Server) synonym. Gemeint ist hier im Weiteren jedoch einfach ein mit Windows als Betriebssystem laufender Server für den privaten Einsatz.

VORÜBERLEGUNGEN
Bisher hatten wir zwei H340 WHS mit einer nutzbaren Gesamtkapazität von 3 TB (2x 2 TB + 2x 1 TB) und jeweils einem unabhängigen System-Laufwerk im Einsatz. Darüber hinaus wurden die Daten auf den H340 zur Sicherheit noch „gespiegelt“ (genau genommen wurden die Daten jede Nacht von der ersten auf die zweite Datenplatte kopiert, da die Spiegel-Funktion des WHS nicht fehlerfrei lief und mit der Zeit immer mehr Datenschrott produziert hat). System (Windows) und Daten sollten auch beim neuen WHS auf jeden Fall wieder getrennt sein.
Zusätzlich zu den beiden WHS kam letztes Jahr auch noch ein kleiner HP ProDesk 400 G1 Mini dazu. Dieser Winzling (selbst im Vergleich zum kleinen H340) ist mit 8 GB RAM, 32 GB SDD (System) und einer 2,5″ 500 GB Festplatte (Daten) ausgestattet und übernahm die Funktion als WebServer (mit RoundCube) und TeamSpeak 3 Server. Auch diese Funktionalitäten sollten zukünftig vom neuen WHS übernommen werden.

Der neue WHS sollte also die beiden alten H340 und den HP G1 ablösen, muss also genügend Leistung haben, um alle Aufgaben erfüllen zu können und dabei noch Reserven für die Zukunft bereit halten. Gleichzeitig muss der Server aber auch genügend Speicherkapazität und Sicherheit (Spiegelung) bieten. Dabei sollte er möglichst leise sein (der Server steht in unserem Wohn-/Arbeitszimmer), nicht zu verschwenderisch mit dem Strom umgehen (er läuft schließlich 24/7) und klein und kompakt sein (um wieder ins Regal zu passen).
Damit war klar, dass nur ein System auf mini-ITX Basis in Frage kam. Aber auch da sind die Möglichkeiten in den letzten Jahren fast unüberschaubar geworden (wenn man sich nicht täglich mit dem Thema beschäftigt). Zunächst ging die Überlegung in Richtung eines AMD-Systems. AMD stand in der Vergangenheit immer für günstige und dennoch leistungsstarke Prozessoren. Tatsächlich ließen sich auch günstige mini-ITX Mainboards mit onBoard-CPU (AMD A10-5745) finden. Doch wirklich zufrieden war ich damit auch nicht – die Leistung war nicht überragend, der CPU-Lüfter sah aus, wie aus der Bastelkiste geklaut und um alle Laufwerke anschließen zu können, wäre ein zusätzlicher Controller notwendig gewesen (womit der preisliche Vorteil wieder hinfällig gewesen wäre).
Also habe ich nach Alternativen gesucht. Da ich auf eine eigene Grafikkarte im Server verzichten wollte, sollte es in jedem Fall jedoch eine CPU mit integrierter GPU sein. Nach ein wenig Recherche wurde schnell klar, dass intel hier inzwischen die bessere Wahl sein könnte. Bei einem kaum ins Gewicht fallenden Preisunterschied boten die aktuellen „Kaby Lake“-Prozessoren mehr Leistung bei gleichzeitig geringerem Stromverbrauch. – Also gut, dann zur Abwechslung also mal intel!

Etwas einfacher gestaltete sich die Wahl der Festplatten. Es war von Anfang an klar, dass NAS-Laufwerke vom Typ „WD Red“ zum Einsatz kommen sollten. Hier kam es daher vor allem auf das Gehäuse (Laufwerksschächte) und das Mainboard (Anschlüsse) an. Apropos Gehäuse… Auch wenn man inzwischen eine Menge an schicken ITX-Gehäusen findet, blieben am Ende nicht viele Möglichkeiten übrig. Hier war natürlich die von uns vorgegebene maximal zulässige Größe ein begrenzender Faktor. Denn wenn das Gehäuse zu groß wäre, würde es nicht mehr ins Regal passen, in dem jetzt unsere H340 stehen.
In die engere Wahl fielen auch Gehäuse mit HotSwap-Schächten für Festplatten. Dieses Prinzip gab es schon beim H340 und es erlaubt den schnellen und unkomplizierten Tausch der Festplatten im laufenden Betrieb. Leider konnten mich die entsprechenden Gehäuse jedoch nicht überzeugen.

Im 2. Teil erfahrt ihr, welche Komponenten ich für unseren neuen WHS ausgesucht habe.

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