Smart(?)watch

Gear S Smartwatch

Seit gut zwei Monaten befindet sich die Samsung Gear S Smartwatch nun bei mir im täglichen Einsatz und wie angekündigt möchte ich euch heute davon berichten, ob die Uhr meine Erwartungen bisher erfüllen konnte.

Größe / Tragekompfort
Trotz ihrer Größe lässt sich die Gear S angenehm am Handgelenk tragen, zumindest habe ich damit keinerlei Probleme. Die gewölbte Smartwatch schmiegt sich regelrecht an das Handgelenk an und auch das Urethan-Kunststoff-Armband trägt sich überraschend gut. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass mein Handgelenk, insbesondere wenn es draußen warm ist, mit der Smartwatch leicht zu schwitzen anfängt – aber das Problem hatte ich auch schon mit anderen Uhren.
Den Tragekompfort kann ich also als sehr gut bezeichnen. Die Länge des Armbands ließ sich leicht und exakt auf meinen Handgelenksumfang einstellen und nach ein wenig Übung lässt sich auch der Verschluss problemlos bedienen.

Gear S Diesel
Armbandkollektion von Diesel

Das Armband kann zudem relativ einfach gewechselt. Leider scheint es bisher jedoch nur wenig Alternativen zu geben, die sich vor allem in Farbe und Dicke unterscheiden und dazu noch vergleichsweise teuer sind. Diesel hat vor einiger Zeit auch Lederarmbänder für die Gear S angekündigt, doch davon ist bis jetzt noch nichts in den Shops zu sehen.

Akku / Laufzeit
Nicht ganz so problemlos gestaltet sich dagegen das Laden des Akkus. Dazu liefert Samsung eine Ladeschale mit, die unter der Gear S eingerastet werden muss, um eine Verbindung zu den Ladekontakten herzustellen. Das eigentliche Ladekabel wird dann seitlich an diese Ladeschale eingesteckt. Was sich so kompliziert anhört, ist es im Alltag auch.
Schauen wir uns zunächst einmal die positiven Seiten an. Die Ladeschale selbst verfügt über einen eigenen 350 mAh großen Akku. Dockt man die Smartwatch an die (geladene) Ladeschale an, lässt sich damit der interne 300 mAh Akku der Gear S laden. Angeblich soll der Akku der Uhr dabei maximal auf 66% geladen werden, aber ich habe nach einiger Zeit auch schon die Meldung bekommen, dass der Akku der Smartwatch nun zu 100% voll sei.
Natürlich passt die Uhr so nicht mehr ans Handgelenk, aber als Notfall-Energiespender für unterwegs ist das sicherlich keine schlechte Idee. Die Ladeschale selbst signalisiert zusätzlich mit Hilfe einer kleinen mehrfarbigen LED über den aktuellen Zustand.

Gear S mit Ladeschale
In der Ladeschale befindet sich ein zusätzlicher 350mAh Akku

Das eigentliche Netzteil, welches mit der Ladeschale verbunden werden muss, verfügt über einen normalen Micro-USB-Stecker, wie er auch in den Ladegeräten der Samsung Smartphones zu finden ist. Hier ist es also tatsächlich möglich, die Ladegeräte für Smartwatch und Smartphone gleichermaßen zu nutzen. Zu beachten ist jedoch, dass das Kabel des Gear S Ladegeräts vergleichsweise dünn, dafür aber umso länger ausgefallen ist.
Der große Nachteil diese Lade-Methode ist, dass hierbei eine echte mechanische Verbindung über Ladekontakte zwischen der Uhr und der Ladeschale hergestellt werden muss. Dazu muss die Schale am oberen Ende in das Gehäuse der Gear S eingehakt und dann mit festem Druck am unteren Ende eingerastet werden. Ehrlich gesagt habe ich Bedenken, was die dauerhafte Haltbarkeit dieses System angeht, immerhin kommen hier nur kleine Plastikrasten zum Einsatz. Und tatsächlich lassen sich in diversen Foren bereits zahlreiche Benutzerberichte finden, die über abgebrochene Haltenasen bei den Ladeschalen berichten. Ich selbst habe dieses Problem zum Glück bisher noch nicht gehabt, mir aber vorsorglich schonmal eine Ersatzladeschale besorgt.

Gear S Ladeschale
Die Ladeschale muss mechanisch eingerastet werden

Interessant ist übrigens, dass ich im örtlichen Elektronikfachtmarkt eine Ladeschale gesehen habe, welche völlig ohne komplizierte Rasten und Haken auskam. Die Gear S wurde dabei einfach auf die Ladeschale gelegt und magnetisch fixiert. SO hätte ich mir das vorgestellt!
Meine Nachfragen beim Marktleiter und bei Samsung ergaben, dass es sich dabei um spezielle Ausstellungsmuster handelt, die so nicht in den Handel kommen werden. Außerdem sei nicht mit weiteren Zubehör zu rechnen, da die Gear S bereits schon länger auf dem Markt ist (O-Ton Samsung Support). Ähm… länger auf dem Markt? Ja, zum Zeitpunkt der Anfrage exakt 4 Monate in Deutschland, um genau zu sein…

Wenn wir schon beim Akku sind, kommen wir doch gleich noch zur Akkulaufzeit. Hier kommt es natürlich darauf an, wie man die Smartwatch nutzt. Ist die Uhrzeitanzeige NICHT permanent an und lässt man sich über neue Nachrichten und SMS informieren, liest regelmäßig seine E-Mails und telefoniert ab und zu, hält der Akku tatsächlich 2 Tage durch. Im reinen StandBy liegt der Verbrauch dann bei 1% pro Stunde. Aktiviert man die dauerhafte Zeitanzeige, halbiert sich die Laufzeit. Das sind zwar keine überwältigenden Werte, entspricht aber dem, was ich erwartet hatte. Und dank der beiden Zusatzakkus in den Ladeschalen sollte auch ein Camping-Urlaub übers Wochenende problemlos zu überstehen sein.

Display / Uhrzeitanzeige
Apropos Camping… das Display der Gear S ist hell genug, um es auch bei Sonnenschein im Freien ablesen zu können. Generell ist das Display wirklich ein Highlight dieser Uhr, was dank des verbauten SuperAMOLED-Panels auch nicht anders zu erwarten war. Die Farben sind kräftig und hell und die Anzeige gestochen scharf. Allerdings trifft das nicht auf die „Always on“-Uhr zu.
Zur Erklärung: Standardmäßig schaltet die Gear S das Display nach wenigen Sekunden automatisch ab, um Strom zu sparen. Selbst wenn man nur wissen will, wie spät es ist, muss dann die Uhr erstmal eingeschaltet werden. Alternativ lässt sich eine dauerhafte Uhrzeitanzeige aktivieren. Dabei handelt es sich dann um eine einfache Weiß-auf-Schwarz Darstellung, deren Aussehen von der eingestellten Uhr abhängig und nicht anpassbar ist. Leider kostet diese Anzeige eine Menge Strom, ist ärgerlicher Weise nicht anpassbar (obwohl das technisch gesehen absolut kein Problem gewesen wäre) und bei Sonnenschein sowieso nicht mehr zu erkennen.

Gear S Faces
Die Uhrenanzeigen lassen sich durch eigene Kreationen ergänzen, aber leider ist die Standby-Anzeige nicht anpassbar

Wo ich gerade bei dieser Anzeige bin: Ich hatte immer wieder das Problem, dass sich die Gear S von alleine eingeschaltet und merkwürdige Aktionen gestartet hat, wenn ich meinen Mantel getragen hatte. Der Grund war/ist, dass der Stoff des Mantels wohl als „Fingerdruck“ erkannt wird, wenn die permanente Uhrzeitanzeige aktiviert ist – und dabei spielt es keine Rolle, welche Einschaltoptionen eingestellt sind. Erst ein komplettes Ausschalten der Zeitanzeige im Standby sorgt dann dafür, dass die Uhr auch wirlich ausgeschaltet bleibt.

Mobilfunk / Bluetooth
Das, was die Gear S von den meisten anderen Smartwatches unterscheidet – und das Hauptargument für meine Kaufentscheidung war – ist die Möglichkeit, eine NanoSIM-Karte einzulegen und die Uhr unabhängig vom Handy betreiben zu können. Wie bereits erwähnt funktioniert das nicht ganz so einfach, da immer noch ein Handy für Benachrichtigungen notwendig und teilweise auch zum Einrichten erforderlich ist. Immerhin gibt es Möglichkeiten, die Gear S auch ohne Samsung Handy nutzen zu können.
Da mein Mobilfunkprovider keine MultiSIM oder etwas vergleichbares mehr anbieten kann, musste ich mich nach Alternativen umsehen – und habe tatsächlich eine bei Amazon gefunden. Dabei handelt es sich um einen Handy-Tarif-Vertrag mit dem schönen Namen „DeutschlandSIM SMART 200“. DeutschlandSIM ist eine Marke der Drillisch AG. Der genannte Tarif kostet einmalig 19,95€ und hat eine monatliche Grundgebühr in Höhe von 2,95€. Macht man sich die Mühe und schreibt innerhalb von 2 Monaten nach Aktivierung der SIM eine Rezession auf Amazon, erhält man noch eine Gutschrift in Höhe von 5,00€. Und was bekommt man für dieses Geld? Nun, zunächst einmal eine Kombi-SIM (nutzbar als normale SIM, Micro-SIM und Nano-SIM), sowie 50 Frei-Minuten in alle deutschen Netze (Festnetz und Handy) und 50 Frei-SMS pro Monat. Dazu gibt es noch eine Internet-Flat mit 200MB UMTS und anschließender Drosselung der Geschwindigkeit. Das Ganze im O2-Netz und damit dank National-Roaming für UMTS auch im Netz von E-Plus.
Das klingt zunächst nicht nach viel, aber zu diesem relativ günstigen Preis beinhaltet das Angebot alles, was ich für die Gear S benötige und für weitere 2,50€ pro Monat lässt sich für diesen Vertrag sogar eine MultiSIM aktivieren – welche ich dann für das Tablet verwenden kann.

Smart200

Die meiste Zeit wird die Gear S jedoch über Bluetooth mit dem Handy verbunden sein – und das klappt ausgesprochen gut. Die Verbindung wird zuverlässig aufgebaut – auch nach einer Trennung – und bleibt dann stabil bestehen. Die Reichweite ist für Bluetooth sehr gut und reicht bei mir zu Hause beispielsweise locker über 1 bis 2 Etagen – kein Vergleich zur Katastrophe der ersten Sony LiveView!

Ich habe die Smartwatch so konfiguriert, dass das Funkmodul nur bei Bedarf aktiviert wird. Reißt die Bluetooth-Verbindung zum Handy ab, wartet die Uhr erstmal für einige Zeit, bevor auf das interne Handy-Modul umgeschaltet wird. Das finde ich sehr gut, da ich so zum Beispiel auch mal eben in den Keller gehen und was neues zum Trinken holen kann – wobei dann der Kontakt zum Handy im Arbeitszimmer verloren geht – ohne das die Smartwatch hektisch versucht, sich ins Mobilfunknetz einzubuchen.
Nach ca. 1 Minute ohne Bluetooth-Verbindung ist dann jedoch das interne Funkmodul der Gear S aktiv und stellt über das entsprechend konfigurierte Samsung-Konto eine Remote-Verbindung her. Dadurch erhält die Gear S nun weiterhin alle Benachrichtigungen, kann Anrufe ans Handy entgegennehmen, auf SMS antworten, usw. – nur dann halt über das Mobilfunknetz und nicht über Bluetooth. Auch diese Funktion arbeitet zuverlässig und die Uhr gibt auch immer brav Auskunft über Zustandsänderungen bekannt. Allerdings funktionieren nicht alle Apps über diese Remote-Verbindung, einige benötigen zwingend Bluetooth.

Handy / Freisprecheinrichtung
Als überraschend gut hat sich die Gear S als Freisprecheinrichtung bewährt. Egal ob man angerufen wird oder selbst einen Anruf tätigen will – die Verbindung hält sowohl über Bluetooth, als auch über das eingebaute Funkmodul stabil. Die Sprachqualität und Lautstärke reicht aus, um die Smartwatch im Auto als Freisprecheinrichtung verwenden zu können und auch das Mikrofon ist empfindlich genug, so dass die Uhr dabei nicht permanent an Mund oder Ohr gehalten werden muss – man kann also ganz normal weiter fahren.
Was mich an dieser Stelle interessieren würde: Wie sieht es eigentlich mit der Bedienung der Uhr während der Fahrt aus? Wie wir alle wissen, darf man ein Handy während der Fahrt im Auto nicht bedienen – selbst wenn es in einer Haltung hängen würde und nur ein Knopf zum Abheben gedrückt werden müsste, wäre das Verboten. Dagegen ist es problemlos möglich, einen Laptop auf den Beifahrersitz zu stellen und während der Fahrt zu zocken – so lange man dabei noch vernünftig Fahren kann. Ebenfalls erlaubt ist es, ein Tablet (ohne Mobilfunkmoodul) als Navigationsgerät an die Windschutzscheibe zu kleben und drauf rum zu tippen. Aber sobald dieses Tablet ein Handy wäre – und man eigentlich genau die gleichen Funktionen nutzen würde, wie beim reinen Tablet – ist das verboten. Aber was gilt für die Smartwatch? Da wird ja kein Handy bedient, sondern eine Uhr…

Benachrichtigungen
Das, was die Gear S kann – oder auch nicht – hängt leider sehr stark vom Handy ab, mit dem sie verbunden ist. Was Samsung dazu bewogen hat, künstlich solche Einschränkungen zu machen, wird wohl auf Ewig sein Geheimnis bleiben. Dennoch kann die Smartwatch in der aktuellen Version (Gear S mit Tizen 2.2.1.4, Galaxy Note 2 mit Android 4.4.2) alles, was ich benötige. Wie bereits erwähnt ist telefonieren problemlos möglich. Außerdem werde ich über neue E-Mails (Samsung Mail App & Google GMail) und SMS informiert und kann auch auf beides Antworten. Laufen Facebook oder Skype auf dem Handy erscheinen die Benachrichtigungen ebenfalls auf der Gear S. Termine werden mir ebenfalls angezeigt, auch wenn ich dabei eine Wochen- oder Monatsansicht vermisse. Neue Termine kann ich über die Smartwatch aber leider nicht anlegen, dafür jedoch Alarme und diese auch für bestimmte Wochentage oder mit Wiederholungen.

Gear S Apps

Fazit
Jetzt schon ein Fazit? Fehlt da nicht noch was? Ja, die Gear S kann noch eine ganze Menge mehr, auf das ich an dieser Stelle noch garnicht eingegangen bin. Als Beispiele seien da die Health S Fitness-App genannt oder die Karten-Software Here. Aber das sind Dinge, die ich – momentan zumindest – nicht täglich einsetze. Daher wird es dazu später noch einen gesonderten Beitrag geben, ebenso zu einigen Apps, die ich inzwischen zu schätzen gelernt habe.

Also, welches Fazit kann ich inzwischen zur Gear S ziehen. Bin ich noch zufrieden mit der Smartwatch, fragt mich Feli gelegentlich – und ich kann dies ohne wenn und aber bestätigen. Gerade wenn man den K(r)ampf mit der ersten LiveView-Smartwatch von Sony mitgemacht hat, erscheint die Gear S wie eine Offenbarung. Diese Smartwatch macht einfach, was sie soll. Und das zuverlässig.
Realistisch betrachtet gibt es sicherlich keinen Grund für die Gear S. Die Smartwatch kann nichts, was ein Smartphone und eine normale Armbanduhr zusammen nicht auch können würden – und das vermutlich sogar billiger. Aber davon einmal abgesehen gehört die Gear S für mich zu den besten Smartwatches, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind und die Bezeichnung „smart“ auch verdient haben.

Gear S Farben

(Bilder: Samsung)

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