Spiel mal!

Rollen- und Kartenspiele in einem Technik-Blog? Geht das denn? – Ich sage „Klar, wieso denn nicht?“. Ich kenne viele Nerds, die auch begeisterte Rollenspieler sind. Und entgegen einiger veralteter Vorstellungen treffen sich Rollenspieler nicht in dunklen, lichtdichten Kellern, um ihrem seltsamen Kult zu huldigen… naja, nicht alle jedenfalls. ^^

Bevor ich in weiteren Beiträgen auf einige der Spiele im Detail eingehe, habe ich an dieser Stelle mal eine Übersicht zusammengetragen, was bei Feli und mir eigentlich alles im Schrank (und teilweise als eBook auf dem Rechner) liegt.

Rollenspiele

L5R

Legend of the Five Rings
Den Anfang möchte ich mit einem Rollenspiel machen, von dem ich mir eine ganze Menge erhofft hatte, was dann aber schlussendlich zu einer großen Enttäuschung wurde – und das lag gewiss nicht am Spiel selbst. Die Rede ist von der Legende der fünf Ringe, auf Englisch Legend of the Five Rings, kurz L5R.
L5R ist anders, als andere Rollenspiele. Und für uns Europäer ist es gleich nochmal ganz anders. Denn bei L5R geht es nicht darum, als Held Abenteuer zu bestehen, bei L5R hat man als Spieler nur die Aufgabe, helden- und vor allem ehrenhaft zu sterben. Das an das feudale Japan angelehnte Setting ist sehr speziell, aber auch extrem detailliert und tiefgründig. Eine besondere Herausforderung ist, dass viel Wert auf die richtige Wortwahl und das richtige Verhalten gelegt wird. Man spielt keine Rolle, man lebt sie. Und dazu muss man sich wirklich sehr gut in der Spielwelt Rokugan auskennen. Aber selbst dann wird man keine Heldentaten erleben, sondern darf froh sein, wenn man als Samurai am Ende des Tages einen ehrenvollen Tod sterben kann, ohne Schande über seinen Clan oder seinen Herren gebracht zu haben.

Shadowrun

Shadowrun
Direkt danach kommt mein aktuelles Lieblingsrollenspiel – Shadowrun! Bei Shadowrun handelt es sich auf den ersten Blick um ein Cyberpunk-Rollenspiel. Genau genommen ist es DAS Cyberpunk-Rollenspiel schlechthin. Seit über 25 Jahren gibt es Shadowrun nun schon und viele Dinge, die dort noch als SciFi belächelt wurden, sind heute schon real geworden – Smartphones, Drohnen, gedankengesteuerte Prothesen, selbstfahrende Autos, zielsuchende Gewehrkugeln, virtuelle Realitäten… und das ist nur ein kleiner Teil.
Was Shadowrun so besonders macht, ist eine geschickt Verknüpfung von Cyberpunk mit Fanatasy in einer vollkommen real anmutenden Welt in nicht allzu ferner Zukunft. Denn bei Shadowrun begegnet man auch Elfen, Zwergen, Trollen und – hoffentlich nicht – Drachen. Es gibt Geister, Ghule, Vampire – und die wohnen in Hochhäusern oder fahren Motorrad. Und wo das dicke MG nicht weiterkommt, hat der Magier vielleicht den richtigen Zauberspruch auf Lager. – Was sich im ersten Moment nach total hirnrissigen konfusen Mist anhört, entpuppt sich erstaunlich schnell als gleichermaßen detailreiche wie durchdachte Spielwelt.

Vampire

Vampire: Die Maskerade
Mein Ausflug in die Welt der Dunkelheit (World of Darkness, WoD) war leider nur recht kurz, dafür aber umso unterhaltsamer. Wie der Name schon vermuten lässt, schlüpft man bei Vampire in die Rolle eines Untoten – ja, hier sind Vampire noch richtige Vampire, die in der Sonne verbrennen, durch das Aussaugen von menschlichem Blut neue Vampire erschaffen können und über allerlei übernatürliche Gaben verfügen. Dabei muss man sich nicht nur vor jeder Menge anderen seltsamen Wesen – Stichwort Werwölfe – in Acht nehmen und peinlich genau darauf achten, dass die Menschheit nicht merkt, dass es da noch andere gibt (daher der Name „Die Maskerade“), sondern vor allem um den Einfluss seines Clans und seine persönliche Macht kämpfen.

Pathfinder

Pathfinder
Pathfinder gilt als Weiterentwicklung des weltweit wohl bekanntesten Fantasy-Rollenspiels „Dungeons & Dragons“ (Version 3.5). Leider kann ich zu Pathfinder nicht viel sagen, da ich lediglich die englische Einsteigerbox mein Eigen nennen kann, doch Gestaltung und Lieferumfang machen in jedem Fall Lust auf mehr und erinnern dabei an klassische Dungeon Crawler.

D6System

D6 System
Wer Lust hat, sein eigenes Rollenspiel zu gestalten, sollte sich einmal das „D6 System“ anschauen – ein echter Geheimtipp, wie ich finde. Bei D6 handelt sich es um eine Rollenspiel-Regelwerksammlung, die auf dem klassischen 6-seitigen Würfel basiert, dabei aus meiner Sicht gleichzeitig sehr flexibel und leicht zu verstehen ist.
Ursprünglich als kommerzielles System entwickelt, erschienen mehrere Rollenspiele mit diesem System, u.a. StarWars, Indiana Jones, Man in Black, Hercules & Xena und – leider nicht mehr ganz fertig geworden – Stargate SG-1.
Seit einigen Jahren stehen die Regelbücher des D6 Systems nun unter der Open Game License für jeden als PDF frei zum Download zur Verfügung. Klassische Fantasy-Rollenspiele sind damit ebenso möglich, wie epische Weltraumschlachten oder spannende Agenten-Settings in der Jetzt-Zeit.

Kartenspiele

Diamond

Legend of the Five Rings – CCG
Auch hier möchte ich wieder mit L5R beginnen. Das Sammelkartenspiel zur Legende der fünf Ringe gibt es bereits genau so lange, wie das Rollenspiel. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn die bei internationalen Turnieren erzielten Ergebnisse beeinflussen direkt die Entwicklung der Rollenspielwelt.
Die Regeln des CCG haben sich im Laufe der Zeit mehrmals geändert und aktuelle Editionen sind nicht mehr auf Deutsch erhältlich. Persönlich halte ich das L5R CCG für ein sehr detailliert gestaltetes umfangreiches, aber leider auch extrem komplexes Spiel, das sicherlich einiges an Vorbereitungs- und Einarbeitungszeit benötigt.

MtG

Magic: The Gathering – CCG
Magic dürfte wohl das weltweit bekannteste Fantasy-Sammelkartenspiel sein. Entwickelt wurde es ursprünglich als günstig zu produzierendes, schnelles Spiel für zwischendurch. Inzwischen hat sich eine ganze Industrie rund um Magic entwickelt: Nationale und internationale Wettkämpfe, Romane, Computerspiele und Zusatzprodukte wie Counter, Sleeves, Boxen oder Spielmatten. Kaum ein CCG ist so präsent, wie Magic.
Feli und ich haben Magic eine zeitlang gespielt und hatten viel Spaß dabei. Leider ist vom „schnellen Spiel für zwischendurch“ nicht mehr viel übrig, wenn man neben der Standardregel noch die Ausnahme von der Ausnahme der Ausnahme der Erweiterung der Anpassung der … Wo war ich? Kurz, für meinen Geschmack ist Magic inzwischen einfach zu komplex und seine Sonderregeln zu umfangreich geworden.

HdR

Der Herr der Ringe: Das Kartenspiel – LCG
Beim Herr der Ringe Kartenspiel handelt es sich um ein sog. Living Card Game (LCG). Dabei handelt es sich im Grund genommen um eine spezielle Art von Sammelkartenspielen (CCG). Im Gegensatz zu Sammelkartenspielen gibt es bei LCGs keine Boosterpacks mit zufälligen Karten. Die Erweiterungen bestehen immer aus einem festen Satz, man kauft also nicht die Katze im Sack oder muss immer wieder Booster holen, in der Hoffnung, endlich die gewünschte Karte zu bekommen. Dennoch können auch LCGs schnell ins Geld gehen, will man jede Erweiterung mitnehmen.
Als kooperatives Spiel ermöglicht es das HdR LCG zwei Spielern gemeinsam für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen (alternativ geht das auch alleine oder – wenn 2 Grundboxen vorhanden sind – zu viert). Auch wenn es sich um ein Kartenspiel handelt, wirkt Herr der Ringe durch jede Menge Marker, Token und Counter eher wie ein Brettspiel. Und eine 32 Seiten dicke Anleitung lässt bereits erahnen, dass der Spielverlauf alles andere als einfach zu verstehen ist.

Dungeoneer

Dungeoneer
Dungeoneer ist ein Fantasy-Kartenspiel, dass sich in mehrfacher Hinsicht von anderen abhebt. Es gewisser Weise spielt es sich wie ein Dungeon Crawler Rollenspiel, bei dem man Held und Spielleiter gleichzeitig ist. 2 bis 4 Spieler suchen sich einen Helden aus, verbessern ihn während des Spiels und mach sich auf, um die hübsche Prinzessin zu befreien, den wertvollen Schatz zu finden oder den mächtigen Drachen zu besiegen. Damit einem die anderen Spieler dabei nicht zuvor kommen, kann man ihnen Monster auf den Hals hetzen oder fiese Fallen auslösen. Das Spielfeld – welches ebenfalls aus Spielkarten besteht – wird während des Spiels dynamisch aufgebaut und kann sich damit immer wieder ändern, ebenso wie die Aufgaben, die jeder Held für seinen Sieg erfüllen muss.
Eine Besonderheit von Dungeoneer ist, dass man alle 8 erschienen Teile unabhängig voneinander spielen, aber auch beliebig miteinander kombinieren kann. Ich würde Dungeoneer als Geheimtipp sehen. Leider wurden von den 8 Teilen nur 4 ins Deutsche übersetzt und es wird auch keine weiteren Übersetzungen geben.

Crossfire

Shadowrun Crossfire
Crossfire ist ein kooperatives Kartenspiel für 1 bis 4 Personen und orientiert sich Inhaltlich an der 5. Edition des Rollenspiels Shadowrun. Dabei beginnt das Kartenspiel da, wo das Rollenspiel meist endet: Der Auftrag wurde erfolgreich erledigt, jetzt geht es „nur“ noch darum, wieder lebend zu verschwinden. Passend zum Rollenspiel hat man als Spieler die Wahl zwischen Streetsam, Mage, Decker und Face.
Der kooperative Aspekt steht bei Shadowrun Crossfire deutlich im Vordergrund und beim allgemein als hart bewerteten Schwierigkeitsgrad kommt man wirklich nur mit Teamwork lebend aus dem Schlamassel wieder raus.
Shadowrun Crossfire ist bisher nur auf Englisch erschienen und ob es eine deutsche Übersetzung geben wird, steht noch nicht fest. Neben dem Grundspiel gibt es bisher nur eine kleine Erweiterung (im Prinzip ein weiterer Satz der Grundkarten, nur mit anderen Bildern), jedoch ist für Juli die erste größere Erweiterung angekündigt.

Brettspiele

Descent

Descent: Die Reise ins Dunkel
Descent hat zwar schon einige Jährchen auf dem Buckel, der inoffizielle Nachfolger von Hero Quest weiß mit seiner Mischung aus Dungeon Crawler, Charakterentwicklung und Rollenspiel aber immer noch zu faszinieren. Das Spiel besticht durch eine kaum noch zu überblickende Fülle an schön gestalteten Figuren (kleine Plastik-Miniaturen für alle Helden und Monster), Markern, Token, Karten und detaillierte Bodenplatten. Hat man – so wie Feli und ich – das Grundspiel der 1. Edition und alle 5 Erweiterungen, stapelt sich schon einiges auf dem Spieltisch. Zudem fügt jede Erweiterung einzigartige neue Spielelemente und Monster, sowie einen lang ersehnten Kampagnen-Modus hinzu.
Wer Descent spielen will, braucht vor allem eins: Zeit! Bei uns hat eine Runde selten weniger als 8 Stunden gedauert, 12 Stunden waren eher die Regel. Außerdem fängt Descent erst ab 3 Spielern (ein Spieler muss die Rolle des bösen Spielleiters übernehmen) an, Spaß zu machen und mit 5 Spielern wird es dann zu einem wirklich spannenden Abenteuer.

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