All Good Things…

Alle guten Dinge müssen einmal zu Ende gehen. Und so geht diesen Sommer auch eine Ära für mich zu Ende. Fast 20 Jahre – 17 davon als Vertragskunde – habe ich E-Plus nun die Treue gehalten. Dabei durfte (und musste) ich viele Höhen und Tiefen miterleben. Meistens war es eine gute Zeit. Doch diese Woche habe ich nach 17 Jahren meinen Vertrag bei E-Plus gekündigt.

Angefangen hat alles mit „Kaiser Franz“ und seiner „Ja, is‘ denn heut‘ scho‘ Weihnachten?“-Werbung für Free&Easy, der ersten in Deutschland erhältlichen Prepaid-Mobilfunkkarte. Das Handy – ein Nokia Energy in türkis – war aus heutiger Sicht ein Witz, die Minuntenpreise mörderisch, aber es war Prepaid und mein erste Kontakt mit der mobilen Welt.
1998 folgte dann der Wechsel zum Vertrag. E-Plus hatte damals – zumindest soweit mir bekannt – als einziger Anbieter einen speziellen Studententarif im Programm. Kurze Zeit später erhielt ich dann das Angebot, in den Professional-Tarif zu wechseln und wurde damit – zumindest was den Service betraf – zu einem Geschäftskunden. Unter anderem bedeutete das, dass ich schon nach dem ersten (!) Klingeln einen Mitarbeiter von der Hotline an der Strippe hatte. Wartezeiten? Unbekannt! Darüber hinaus war mein Handy versichert – auch gegen Schäden durch Eigenverschulden. Als mir mein teures Nokia 7120 dann tatsächlich einmal aus der Hemdtasche auf dem Fliesenboden zerschellt war, kam ich in den Genuss dieses echten Service. Abends – es war bereits nach 16 Uhr – bei der freundlichen Hotline angerufen und am nächsten Morgen um 8 Uhr ein neues Ersatzgerät per Kurier geliefert bekommen. Keine weiteren Fragen, keine weiteren Kosten, aber dafür eine Entschuldigung, dass ich so lange warten musste. – SO sah für mich damals der Mobilfunkhimmel aus! :)

Doch von den vielen guten und schönen Dingen ist heute nicht mehr viel übrig. Und 17 Jahre Treue zählen da schon lange nicht mehr. Nun stand wieder einmal ein Vertragsverlängerung bei mir an und eigentlich hatte ich auch vor, diese zu nutzen. Warum auch nicht? – Ja, warum auch nicht?
Im Moment bräuchte ich wieder eine FlexiCard, also eine zweite SIM-Karte für den gleichen Vertrag. Damit laufen praktisch 2 Geräte unter der gleichen Rufnummer – ideal um Handy und Smartwatch sinnvoll einsetzen zu können. Vor einigen Jahren hatte ich eine solche Karte schon einmal für die Freisprecheinrichtung in meinem Auto gehabt. Doch eine kurze Recherche ergab, dass E-Plus die FlexiCard vor einem Jahr abgeschafft hat. Alle anderen „großen“ Anbieter bieten eine solche Karte (MultiSIM, Ultracard, Multicard) weiterhin an. Meine Anfrage über das Kontaktformular bei E-Plus, welche Alternativen man mir denn anbieten könnte, wurde mir zwar bestätigt – auf eine Antwort warte ich 2 Wochen später aber immer noch.
Stattdessen empfahl mir die Hotline bei meinem Anruf, doch einfach einen zweiten Vertrag. Danke! Genau DAS wollte ich NICHT! Denn so hätte ich nicht nur mindestens 300% montaliche Mehrkosten gegenüber der alten FlexiCard, sondern auch noch eine zusätzliche Rufnummer. Aber der Argumentation, dass eine solche „Lösung“ für mich völlig sinnfrei wäre, konnte die Hotline nicht folgen. Das wäre doch so alles viel besser und super und toll. Genauso, wie ein Wechsel in einen anderen Vertrag! Der würde mich dann zwar im Monat doppelt so viel kosten, aber dafür viel billiger sein. Hä!? Meine Frage, was ich denn bitteschön mit Telefon- und SMS-Flatrates anfangen sollte, wenn ich doch schon mein jetziges Monatskontingent von 100 SMS und 100 Minuten seit Jahren nicht annähernd mehr ausnutze, wurde mit einem genüsslichen Schmatzen von der – inzwischen nicht mehr ganz so – freundlichen Hotline-Mitarbeiterin beantwortet und dem Hinweis, dass ich dann auch noch viel mehr UMTS-Volumen hätte. Der Hinweis, dass mein durchschnittliches Datennutzungsvolumen – laut Anzeige in meinem Online-Kundenkonto – bei 78 MB pro Monat liegt, würde schließlich mit einem „Dann kann ich Ihnen auch nicht mehr weiter helfen“ zu den Akten gelegt.

Liebes E-Plus, wenn ihr keine Kunden mehr haben wollt, dann sagt es doch einfach! – Ich für meinen Teil sehe nun jedenfalls keinen Grund mehr, meinen Vertrag zu verlängern und mir für weitere zwei Jahre einen Anbieter ans Bein zu binden, der Blind und Taub ist.

Ja, aber bei einer Vertragsverlängerung gibt’s doch immer super günstige neue Smartphones oder Tablets dazu! Ähm… ja… nette Idee. Leider möchte E-Plus von mir jedoch die gleichen Preise haben, die ich auch in jedem anderen Laden dafür zahlen müsste… ohne Vertrag. Kostenvorteil? Null Komma Null! Also kann ich mir – wenn ich das möchte – das neue Gerät auch irgendwo anders holen… ohne 2 Jahre Vertragsbindung.

Aber der aktuelle Vertrag ist doch super billig! Ja, verglichen mit vielen anderen ist mein Vertrag tatsächlich günstig. Allerdings habe ich diesen auch schon ein paar Jahre und inzwischen würde man diesen garnicht mehr bekommen. Dennoch: Ich habe jetzt einen Anbieter gefunden, der mir die gleichen Konditionen anbieten kann, zu einem deutlich günstigeren Preis – und bei dem es auch eine Multicard (FlexiCard) gibt. Und dabei habe ich eine Vertragslaufzeit von 1 Monat und nicht von 2 Jahren!

An dieser Stelle noch ein paar Highlights aus meinem „Leben mit E-Plus“:

  • Keine Wartezeit bei der Hotline (inzwischen sind 15 Minuten scheibar völlig normal)
  • Anruf bei der Hotline kostenlos (bei meinem aktuellen Vertrag kostet mich jeder Anruf knapp 1 Euro)
  • Versicherung bei Vertragshandys mit kostenlosem Austausch bei Defekt (inzwischen abgeschafft)
  • FlexiCard – Ein Vertrag, eine Nummer, zwei SIMs (inzwischen abgeschafft)
  • Eigene E-Plus eMail-Adresse mit automatischer Synchronisation aus Handy – zu Zeiten, als mobiles Internet noch WAP bedeutete und Handydisplays Schwarz/Weiß waren (inzwischen abgeschafft)
  • Partner & Family- oder City-Option – damit konnte man entweder 5 beliebige Telefonnummern oder eine Ortsvorwahl angeben und alle Gespräche dorthin waren besonders günstig (gibt es m.W. auch nicht mehr)

Abschließend bleibt mir nur noch das Zitat eines Hotline-Mitarbeiters von E-Plus, den ich vor einiger Zeit mal darauf ansprach, dass der Service auch schon besser war:
„Ich bin froh, dass Sie das sagen. Die Chefs sitzen in ihren Büros und beschließen wieder irgendwelchen Mist… und wir müssen es dann dem Kunden verkaufen.“ – Dem bleibt wohl kaum noch etwas hinzuzufügen.

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