EEE? Was’n das?

Beim EEE PC handelt es sich um ein von Asus entwickeltes Sub-Notebook. Auf einer Grundfläche von gerade einmal 22.5 x 16.4 cm² findet man alles, was zum mobilen Arbeiten nötig ist.
Die technischen Daten können zwar nicht mit aktuellen Notebooks mithalten, dafür gibt es zu einem Preis von unter 300 Euro kein vergleichbares Angebot. Andere Sub-Notebooks in dieser Größe kosten mindestens das Vierfache und Laptops zu Preisen von unter 500 Euro sind deutlich größer und schwerer, als der EEE von Asus.


Ja, richtig gehört: Der EEE PC hat in Deutschland eine UVP von 299 Euro!


Für dieses Geld bekommt man ein Sub-Notebook mit folgender Ausstattung (englische Version):

  • Intel Celeron M ULV 353
  • 512MB DDR2-667 S0-DIMM
  • 7″ WVGA TFT-Display mit 800×480 Pixeln
  • Intel GMA 900 Grafikchipsatz mit Shared Memory
  • 4GB SSD (Solid State Disk, Flashspeicher)
  • 3x USB 2.0
  • SD(HC) Cardreader
  • 10/100 MBit Enthernet LAN-Anschluss
  • 802.11b/g WLAN (als interne PCI-Express Card)
  • Im Deckel eingebaute VGA-Webcam (640×480@30fps)
  • Stereo-Lautsprecher (rechts und links neben dem Display)
  • VGA-Anschluss
  • Kopfhörer-Ausgang / Mikrofon-Eingang
  • Akku mit 5200mAh (Laufzeit ca. 3,5 Stunden lt. Asus)
  • Touchpad mit 2 Tasten
  • Transporttasche
  • Netzteil
  • Treiber-CD für Windows XP
  • Xandros Recovery Image auf CD-ROM
  • Handbücher

.

Das Sub-Notebook ist 22.5 x 16.4 x 2.15~3.5 cm³ klein und wiegt inklusive Akku weniger als 1 kg. Schaut man sich die Daten und den EEE einmal genauer an, fallen einige Besonderheiten auf.


Festplatte / SSD


Am Auffälligsten ist sicherlich der Verzicht auf eine Festplatte, stattdessen baut Asus eine nur 4GB große Flash-Disk ein. Warum hier eine teure SSD statt einer billigen und mit wesentlich mehr Speicherplatz ausgestatteten Festplatte verwendet wurde, erscheint zunächst unverständlich. Der Grund dürfte wohl in der Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen liegen, außerdem ist Flash-Speicher deutlich schneller, als eine Festplatte – nicht zuletzt ein Grund für die beworbenen 25 Sekunden Boot-Zeit des EEE PC. Dass es nicht mehr als 4GB geworden sind, ist sicherlich ein Tribut an den angepeilten Verkaufspreis.


CPU


Beim EEE kommt ein Intel Celeron M mit Dothan-Kern zum Einsatz. Dieser ist mit 900 MHz getaktet – theoretisch. Theoretisch, denn Asus hat den Frontsidebus (FSB) mit 70 statt der üblichen 100 MHz getaktet. Da die CPU einen festen Multiplikator von 9 besitzt, bedeutet das eine tatsächliche Taktrate von 630 MHz.
Zwar gibt es von Asus ein Bios für den EEE, in welchem man den FSB zwischen 70 und 100 MHz wechseln kann, doch diese Funktion erkauft man sich mit Bildfehlern, Abstürzen, sowie Fehlfunktionen bei Webcam und USB.
Besser ist es, ein aktuelles BIOS zu verwenden und die Taktrate softwaremäßig zu steuern. Dank eines kleinen Programms lässt sich der FSB zwischen 70 (CPU 630 MHz), 85 (CPU 765 Mhz) und 100 (CPU 900 MHz) wechseln und glaubt man den Aussagen einiger Tester, funktioniert das Ganze wunderbar und ohne die Stabilität des Systems zu beeinträchtigen.


RAM


Um es gleich vorweg zu nehmen: Die 512MB RAM des EEE lassen sich auf bis zu 2GB aufrüsten, zumindest hardwaretechnisch. Das mitgelieferte Xandros-Betriebssystem kann aber nur maximal 1GB verwalten.Auch hat Asus versucht, das Aufrüsten durch einen kleinen gelben Garantieaufkleber zu verhindern. Dieser wird zwangsläufig zerstört, wenn man die Klappe am Gehäuseboden des EEE öffnet, unter der sich der Steckplatz für den S0-DIMM-Riegel befindet. Inzwischen gibt es jedoch Zweifel daran, ob der Austausch des RAMs wirklich zu einem Garantieverlußt führt.


PCI-E Slot


Öffnete man die Bodenklappe der ersten EEE PC fand man neben dem Slot für den RAM auch noch einen Steckplatz für eine Mini PCI-Express Card. Die Einsatzmöglichkeiten wären vielfältig gewesen: Flashspeicher bis 32GB oder 3G/UMTS Funkkarte, um nur zwei zu nennen.
Leider ließ Asus diesen Steckplatz still und heimlich verschwinden und inzwischen müssen wohl alle neuen EEE PC ohne diese Erweiterungsmöglichkeit auskommen. Das ist auch deshalb unverständlich, da Asus selbst entsprechende Erweiterungen bewirbt.Einige Hardwarebastler machten jedoch aus der Not eine Tugend und spendierten dem EEE auf dem frei gewordenen Platz zwei zusätzliche interne USB-Anschlüsse. Damit kann das Sub-Notebook beispielsweise problemlos um Bluetooth (Bluetooth-Dongel) und 16GB Flash (USB-Stick) erweitert werden, ohne die externen USB-Anschlüsse zu belegen.


Grafik / Display


Oftmals wird das kleine Display des EEE bemängelt. Das betrifft sowohl die Diagonale von nur 7″ (knapp 18cm) und die geringe Auflösung von 800×480 Pixeln.
Da das TFT jedoch ein wesentlicher Kostenfaktor bei einem Notebook ist, sind 7″ durchaus akzeptabel. Viele UMPCs verwenden bei gleicher Auslösung Displays mit gerade einmal 4″. Da wirken die 7″ des EEE schon fast riesig.
Auch die Auflösung ist ausreichend und identisch zu vielen UMPCs. Setzt man die richtige Software ein, sollte damit ein problemlosen Arbeiten möglich sein.Für die Ansteuerung des Displays ist ein Intel GMA 900 Chipsatz zuständig, der sich standardmäßig 8 MB des RAMs sichert, bei Bedarf aber auch auf mehr zugreifen kann. 3D-Wunder sollte man von diesem System also nicht erwarten, dennoch sollte die gebotene Leistung ausreichen, um einfache Spiele wie TuxRacer oder SuperTux flüssig zum Laufen zu bekommen. In einigen Foren wurde sogar von erfolgreichen Versuchen mit WoW berichtet… ob das Sinn macht, bleibt jedem selbst überlassen.Sinn macht aber in jedem Fall der VGA-Anschluss, den der EEE mitbringt. Dieser kann externe Monitore mit bis zu 1280×1024 Pixeln in vernünftiger Qualität ansteuern.


Cardreader


Nach dem Wegfall des zweiten Mini PCI-E Steckplatzes – im ersten befindet sich der WLAN-Adapter – bleibt als einzige Speichererweiterung nur noch der Cardreader des EEE. Dieser kann MMC-, SD- und SDHC-Karten aufnehmen. Die in einigen Reviews getesteten Übertragungsraten von bis zu 17 MB/s sind durchaus akzeptabel und da der Slot eine Speicherkarte komplett aufnimmt, ohne das am Rand etwas übersteht, bietet sich diese Art der Erweiterung auch tatsächlich an.Leider gibt es immer wieder Berichte über Probleme mit 8GB SDHC-Karten, selbst bei denen, die offiziell von Asus als kompatibel mit dem EEE genannt werden.


Modem


Ja, der EEE besitzt einen Modemanschluss. Nein, beim Modell 4G funktioniert dieser Anschluss nicht.Asus hat für den EEE PC verschiedene Varianten vorgesehen. Einige ohne WLAN, aber dafür mit eingebautem Modem, andere mit WLAN, aber dafür ohne Modem. Der Grund ist, dass es nur einen Steckplatz für beides im EEE gibt.


Betriebssystem


Asus verzichtet – wohl aus Kostengründen – auf ein vorinstalliertes Windows XP beim EEE PC. Tatsächlich scheint Linux für die gebotene Hardware auch passender zu sein. Dennoch werden alle für eine Windowsinstallation benötigten Treiber bereit gestellt.Vorinstalliert ist eine speziell für den EEE angepasste Variante von Xandros Linux. Das ärgerliche daran: Die beim EEE verwendete Version ist weder zum Xandros Desktop, noch zu einer anderen Distribution vollständig kompatibel. Die Installation zusätzlicher Programme wird damit zum Glücksspiel.Für ambitionierte Linux-Bastler ebenso unglücklich gewählt scheint die Art der Installation zu sein. Von den 4GB Flash werden 2.7GB von der Standardinstallation belegt, für den Benutzer bleiben noch 1.3GB übrig. Darüber hinaus sind die 2.7GB schreibgeschützt. Ändert der Benutzer eine (in der Standardinstallation vorhandene) Datei – beispielsweise die Netzwerkeinstellungen – oder deinstalliert er ein Programm, werden die Änderungen nur in den 1.3GB vermerkt. Tatsächlich gelöscht wird ein Programm also nicht, es wird kein Speicherplatz dadurch freigegeben.
Der Vorteil dieses Systems liegt jedoch auch klar auf der Hand: Fehlbedienungen können einfach rückgängig gemacht werden.
Zu diesem Konzept trägt auch die angepasste Benutzeroberfläche bei, die nur den Zugriff auf die Standardprogramme zulässt und alle Systemfunktionen vom Benutzer weitestgehend fern hält.Wer mehr mit dem EEE PC machen will oder das Gerät einfach wie ein richtiges Notebook nutzen möchte, für den kommt nur die Installation eines anderen Betriebssystem in Frage. Eine gültige Lizenz vorausgesetzt, ist Windows XP auch kein Problem, da Asus alle notwendigen Treiber mitliefert.
Möchte man jedoch eine andere Linux-Distribution auf dem EEE zum Laufen bekommen, scheitete das bislang an den von Asus unter Verschluss gehaltenen Treibern. Insbesondere das verwendete WLAN-Modul stellt sich hier quer und erforderte einige Tricks. Zum Glück hatte Asus inzwischen ein Einsehen mit den Linuxern und hat – bis auf WLAN – alle Treiber und die Kernel-Sourcen zum Download bereit gestellt. Damit sollte es nun endlich möglich sein, ein Linux-System zu erstellen, welches nicht nur optimal auf den EEE, sondern auch optimal auf den Benutzer abgestimmt ist.


Der EEE in Deutschland


Alle oben gemachten Angaben und Informationen beziehen sich auf Beiträge in englischen Foren und auf Reviews der taiwansichen und englischen EEE PC. Inwieweit sich die nach Deutschland kommenden EEE davon unterscheiden, ist bis jetzt noch völlig offen. Klar scheint inzwischen aber zu sein, dass das Sub-Notebook eine deutsche Tastatur und Oberfläche (Software) haben soll. Alles weitere wird man wohl erst erfahren, wenn die ersten Geräte tatsächlich im Handel sind… wann immer das auch sein mag.


Fazit


Für die von Asus vorgesehene Zielgruppe – Kinder und Hausfrauen – scheint der EEE ideal geeignet zu sein. Eine einfache Bedienung, solide Grundausstattung an Programmen (Mail, Internet, Chat, Office, Spiele, uvm.) und ein auf Sicherheit getrimmtes System machen den EEE PC für diese Anwender atraktiv. Dazu kommt der unschlagbar günstige Preis und die bestechende Größe.Doch gerade der Preis macht den EEE auch für andere interessant. Beispielsweise Studenten (mit Linux die ideale Bastel-Plattform zum Austoben), Journalisten (ultra-mobile Schreibmaschine) oder Leute, die einen günstigen Zweitrechner für unterwegs und den Urlaub suchen.
Leider macht Asus hier viel Potential kaputt. Die Einschränkungen des vorinstallierten Xandros kann man inzwischen durch alternative Linux-Distributionen weitestgehend beseitigen, doch bei den Hardware-Defiziten ist das schon nicht mehr ganz so einfach. Ein paar Beispiele:

  • Wieso will Asus seinen Käufern eine RAM-Erweiterung verbieten? Und wieso bietet Asus dann nicht selbst 1 oder 2 GB RAM als Option an? Technisch wäre das kein Problem!
  • Die 4GB SDD wird intern über USB ins System eingebunden. Wieso ist sie dann nicht austauschbar? Eine wesentlich günstigere Alternative wäre eine interne, aber dennoch wechselbare CF-Speicherkarte gewesen, wie sie schon der Zaurus von SHARP hatte. Hier sind Karten mit bis zu 16GB Speicherkapazität zu vertretbaren Preisen problemlos beschaffbar.
  • Warum wurde der zweite Mini PCI-E Steckplatz wieder entfernt? Das schränkt die Erweiterungsmöglichkeiten des EEE PCs erheblich ein. Ärgerlich ist es in jedem Fall.
  • Wenn man schon den Mini PCI-E Steckplatz entfernt, hätte man den frei gewordenen Platz auch sinnvoll füllen können. Zum Beispiel mit einer internen USB-Buchse, wie sie auch mein „großes“ Notebook hat. Hier hätte man später problemlos einen Bluetooth- oder Speicher-Stick unterbringen können.
  • Was soll der Blödsinn mit dem Prozessor-Takt? Wenn Asus schon eine 900 MHz CPU einbaut, hätte man das System auch auf diese Geschwindigkeit auslegen sollen. Oder wurden hier erst während der Produktion Fehler im Design entdeckt, die durch Untertakten „beseitigt“ werden sollten?

Trotz der Unzulänglichkeiten könnte der Asus EEE PC auch in Deutschland zu einem Renner werden, die zahlreichen Vorbestellungen scheinen das bereits zu bestätigen. Die Kombination aus schickem Sub-Notebook und niedrigem Preis ist zur Zeit einfach konkurrenzlos.


(Quelle Bilder: www.tweaktown.com)

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